Service-Navigation

Suchfunktion

Weinbauinfo Nr. 17

Datum: 16.07.2020

Allgemeiner Entwicklungsstand:
Das nach wie vor dominante Thema der Landwirtschaft ist der akute Wassermangel, der sich nun landläufig zeigt. Die gestrigen Niederschläge brachten im Beratungsgebiet zwischen 5,5 mm (Station Königschaffhausen) und 10,3 mm (Station Malterdingen) Regen, also nur einen Tropfen auf den (tatsächlich) heißen Stein. Insgesamt setzt sich auch 2020 ein leider schon länger anhaltender negativer Trend fort, denn es gibt immer weniger Monate mit einer mindestens ausgeglichenen oder sogar positiven Wasserbilanz. Kurzum: Die Böden trocknen aus!
Wie diesem Sachverhalt begegnet werden kann werden wir sehen, positiv ist der daraus resultierende absolut hervorragende Gesundheitszustand der Rebbestände.
Die Wetterprognose meldet für die kommenden Tage wieder ansteigende Temperaturen bis 30°C zum Wochenende mit viel Sonne und kaum Regen.

Tierische Schädlinge:
Traubenwickler:
Die Flugaktivität des Traubenwicklers ist gering, eine Bekämpfungswürdigkeit ist aktuell nicht gegeben. Die genauen Fangzahlen der Gemarkungen gibt es beim örtlichen Rebschutzwart bzw. unter http://monitoring.vitimeteo.de/

Kirschessigfliege:
In KW 31 startet das jährliche, vom WBI Freiburg durchgeführte KEF –Monitoring. Bei Auffälligkeiten werden wir über die Weinbauinfo´s informieren. Es wurden einige Mittel 2020 mit einer Notfallzulassung gegen KEF neu zugelassen, dazu im Bedarfsfall in einer späteren Weinbauinfo mehr.
Die bisher aus Kirschen vorliegenden Informationen zum Befallsdruck klingen nicht sehr gut, lassen aber noch keine Rückschlüsse auf unsere Kultur Rebe zu.

Pilzkrankheiten:
Peronospora:
Kaum Ölflecken, wenig Niederschlag und sehr gesunde Bestände. Es wurde bis jetzt von den Betrieben gute Arbeit verrichtet, dazu gab es nur ungünstige Infektionsbedingungen bisher.
Für die anstehende Abschlussbehandlung ist ein Kupferpräparat wie z.B. Funguran progress (2,0 kg/ha, WZ 21 Tage), Cuprozin progress (1,6 l/ha, WZ 21 Tage), Airone SC (2,6 l/ha, WZ 21 Tage) oder Cuproxat (8,0 l/ha, WZ 21 Tage) einzuplanen.
Wer Kupfersplitting praktiziert (hat), setzt eines der genannten Kupferpräparate mit der Aufwandmenge Basis x 2 zur Abschlussbehandlung ein.
Alternativ kann ein Kontaktmittel mit kurzer Wartezeit (max. 35 Tage) eingesetzt werden.

Oidium:
Zur Abschlussbehandlung ist der Einsatz eines Azols wie z.B. Misha (0,24 l/ha, WZ 14 Tage), Systhane 20 EW (0,24 l/ha, WZ 28 Tage) oder Topas (0,32 l/ha, WZ 35 Tage) ausreichend. Alternativ kann ein Backpulverpräparat wie Kumar (5,0 kg/ha, WZ 1 Tag) oder Vitisan (12,0 kg/ha, keine WZ) plus Wetcit oder das neue Taegro ein Bakterienpräparat (0,370 kg/ha, WZ 1 Tag) eingesetzt werden. Diese Mittel haben eine gute Nebenwirkung gegen Botrytis, helfen Rückstände zu minimieren und passen sehr gut ins Antiresistenzmanagement, sind aber preislich höher angesiedelt. Vorsicht bei Ausbringung bei Hitze → Verbrennungsgefahr!

Die Mittelmenge errechnet sich aus dem Basisaufwand x 4.
Der Wasseraufwand beträgt 800 l/ha.
Beachten Sie grundsätzlich die Hinweise der Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Mittel.
Der bereits mehrfach kommunizierte Termin der Abschlussbehandlung bis spätestens 25.07.2020 sollte zur uneingeschränkten Produktsicherheit dringend eingehalten werden.

Botrytis:
Es wurden zurückliegend bereits fäulnisvermeidende Maßnahmen umgesetzt und es zeigen sich dieses Jahr viele Trauben sehr locker so dass für eine zweite Botrytisbehandlung kein zwingender Bedarf besteht. Die mittel- und langfristige Wetterprognose zeichnet eher trockenes Wetter, so dass massive Fäulnisprobleme nicht zu erwarten sind. Frühe Botrytisnester können aufgrund der bisher ungünstigen Infektionsbedingungen ebenfalls nicht gefunden werden. Diese Empfehlung gilt auch für Selektions-/Premiumanlagen, die dieses Jahr voraussichtlich sehr früh geerntet werden.

Weinbauliche Hinweise:
Trockenstress betrifft vor allem Junganlagen, deswegen wird empfohlen dort besondere Aufmerksamkeit einzubringen. Basale gelbe Blätter, absterbende Ranken und Triebspitzen und verholzte Triebe sind deutliche Alarmsignale. Bewässerungen entsprechend planen und umsetzen.
Noch sieht man wenige Symptome, sollte es allerdings länger trocken bleiben werden diese zunehmen.
Noch besteht Gelegenheit ertragsregulierende Maßnahmen durchzuführen, dazu zählt vor allem das Entfernen nachzügelnder Traubenteile und Schultern, das Entfernen von Kümmertrieben und das gezielte Traubenteilen kompakter Sorten und Klone.
Auch noch nicht abgeschlossene Entblätterungsmaßnahmen können weitergeführt werden, grundsätzlich nimmt aber nun die Sonnenbrandgefahr täglich zu.
Alle bodenwasserschonenden Maßnahmen sind aktuell eminent wichtig, dazu zählt vor allem das Kurzhalten der Begrünungen durch Mulchen bzw. Walzen.

Sonstige Hinweise:
Dies ist die letzte wöchentlich erscheinende Weinbauinfo 2020. Die weiteren Weinbauinfos folgen situationsbezogen.

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

Fußleiste