Weinbauinfo 19-2021

Allgemeiner Entwicklungsstand:

Die vergangenen wärmeren Tage haben der Reifeentwicklung einen deutlichen Schub gebracht. Die Lese 2021 steht vor der Tür. Die ersten Reifemessungen klingen vielversprechend. Die aktuellen Messungen des WBI können über die Homepage bzw. unter folgendem Link abgerufen werden. 

Reifemessung_Nr.2_2021.pdf (landwirtschaft-bw.de)

Differenzierter ist das Bild beim Gesundheitszustand der Trauben, welcher dann die Leseterminierung der Anlagen stark beeinflusst. Gesunde, gut entwickelte Trauben zeigen durch die gute Wasserversorgung teilweise Kompaktheit und beginnendes Abdrücken. Hier können auch schon Fäulnisnester beobachtet werden. Besonders auffällig sind hier Weißburgunder und Müller-Thurgau, aber auch Grauburgunder. 

In vorgeschädigten Anlagen (Oidium, Peronospora, Hagel) kann aktuell Zuflug durch Kirschessigfliege, heimischer Essigfliege, aber auch Wespen und Bienen beobachtet werden. Halten Sie diese Anlagen unter Dauerbeobachtung und handeln entsprechend. 

Nach aktueller Lage wird es in vielen Anlagen zu mehrmaligen Lesedurchgängen kommen müssen um die bestmöglichen Qualitäten zu erhalten.

Die Wetterprognose meldet bis Mitte nächster Woche nochmals ansteigende, sommerliche Temperaturen und danach zum Wochenwechsel kühler und feuchter mit Temperaturen um 20°C.

 

Tierische Schädlinge:

Kirschessigfliege:

Wie beschrieben bereiten vor allem die vorgeschädigten Anlagen an Randgebieten und in Waldnähe Probleme. Hier lässt sich deutlich Flug und auch Eiablage (siehe Monitoring des WBI unter https://monitoring.vitimeteo.de/) feststellen. Je kritischer der Gesundheitszustand, je stärker die Flugaktivität. Eiablage findet sowohl von der KEF (Kirschessigfliege) als auch von der HEF (Heimische Fruchtfliege) statt. Durch die Vorschäden sind sehr viele Wundstellen an den Beeren vorhanden, welche zu Eiablage genutzt werden. 

Eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln macht nur bei sichtbarem Befall und Flugaktivität Sinn. Es sollte dann zur verbesserten Wirkung jede Gasse befahren werden. Da nur Mittel mit relativ langer Wartezeit zugelassen sind, sollte immer eine Rücksprache mit dem Vermarktungsbetrieb stattfinden. Diese sollten sich auch auf eine verfrühte Lesenotwendigkeit einstellen. Grundsätzlich muss jeder Winzer selbst die Notwendigkeit einer Bekämpfung sowie den Beginn der Maßnahmen anhand des Befalls bzw. des Befallsrisikos abwägen und festlegen.

 

In diesem Jahr stehen folgende Möglichkeiten zur direkten Bekämpfung zur Verfügung: 

 

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen

angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen.

Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben.

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand

entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.

 

Weinbauliche Hinweise:

Das gute, fachgerechte Entblättern der Traubenzone, ein Gipfeltermin zur rechten Zeit und damit Schaffung von sonnenreichen Beständen sind unterstützende weinbauliche Maßnahmen gegen die Kirschessigfliege.

Weiterhin sind sauber gemulchte Anlagen gut, um Rückzugmöglichkeiten der KEF zu minimieren. Dabei werden auch attraktive Traubenreste (aus ertragsregulierenden Maßnahmen) auf dem Boden eingemulcht und locken nicht mehr zusätzliche Tiere an.

Symptome von ESCA sind nun recht häufig und umfangreich erkennbar. Gegenmittel bleiben begrenzt, befallene Stöcke sollten markiert werden um für Stammrückschnitt bzw. Entfernung erkennbar zu sein.

 

Die nächste Weinbauinfo folgt situationsbezogen

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen



Empfehlung KEF im Weinbau 2021-V1

 

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