Weinbauinfo 11-2022 vom 17.06.2022

Allgemeiner Entwicklungsstand:
Heiß, heißer, am heißesten – so lassen sich die aktuellen Tage zusammenfassen. Richtung Wochenende sollen dann knapp unter 40° C den Höhepunkt markieren. Das hat natürlich auch große Auswirkungen auf die schon vorher kritische Bodenwassersituation. Immer mehr Bestände reagieren mit langsamem oder kaum mehr Wachstum, vor allem jüngere Anlagen und Neuanlagen zeigen Trockenstress. In den meisten Gebieten zeigt sich aber weiterhin gutes Trieb- und Beerenwachstum und die ersten Laubschneider sind bzw. waren schon unterwegs.

Tierische Schädlinge:
Traubenwickler:
Derzeit sind kaum Fallenfänge des Traubenwicklers zu verzeichnen. Die zweite Generation steht in den „Startlöchern“ und wird sich bald in den Kontrollfallen der Rebschutzwarte zeigen.
Die aktuellen Fangzahlen sind wie immer unter www.monitoring.vitimeteo.de abrufbar.

Pilzkrankheiten:
Peronospora:
Weiterhin ist der begrenzende Faktor für Peronosporainfektionen das fehlende Wasser. So ist es ausreichend den Kontaktbelag im Abstand von 10 – 12 Tagen zu erneuern. Zum Einsatz kommt zum Beispiel Folpan 80 WDG (1,2 kg/ha), Enervin F (1,8 l/ha) oder Videryo F (1,875 l/ha).
Der Zusatz von phosphonathaltigen Mitteln wird aufgrund des hervorragenden Gesundheitszustand und des unmittelbar bevorstehenden ersten Gipfeltermins nicht mehr empfohlen.
Nur wenn unvorhergesagte Gewitterniederschläge fallen und längere Blattnässezeiten herrschen, macht der Einsatz eines Kurativmittels Sinn.

Oidium:
Oidium bleibt die Leitkrankheit, da weiterhin nahezu optimale Bedingungen herrschen. Die unterschiedlichen Tag-Nachttemperaturen sorgen für ausreichende Feuchtigkeit und die nach wie vor nicht ganz gleichmäßige Entwicklung der Beeren lässt das Oidiumfenster noch offen. Parallel entwickeln immer mehr Beeren ihre Wachsschicht, da in den frühen Lagen und Sorten bald das Stadium Traubenschluss erreicht wird. Gegen Oidium kommt zum z.B. Collis (0,48 l/ha), Vivando (0,24 l/ha) oder Talendo (0,3 l/ha) zum Einsatz. Zur Resistenzbrechung und gegen Milbenbefall kann zusätzlich Netzschwefel (3,0 kg/ha) eingesetzt werden. Wo es im letzten Jahr Probleme mit Oidium gab, bei empfindlichen Sorten und in gefährdeten Lagen sollte auch bei der kommenden Behandlung möglichst jede Gasse befahren werden.
Es ist auf einen konsequenten Wirkstoffgruppenwechsel zu achten!
Der Mittelaufwand errechnet sich aus dem Basisaufwand x 3 (in sehr frühen Lagen und Sorten 3,5); die Wasseraufwandmenge beträgt 800 l/ha.
Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.

Botrytis:
Der Termin Traubenschluss wird in den frühen Lagen und Sorten in Kürze erreicht werden. Dann besteht letztmalig Gelegenheit das Traubeninnere zu schützen. Dazu stehen Spezialbotrytizide wie z.B. Switch (0,48 kg/ha), Teldor (0,8 kg/ha) oder Prolectus (0,6 kg/ha) als Anwendung zur Traubenzonenbehandlung (Basis x 2) zur Verfügung.
Dort wo die Trauben eher locker sind/bleiben bringt ein Botrytismitteleinsatz keinen allzu großen Wirkungsgrad.

Weinbauliche Hinweise:
Entblätterungsmaßnahmen sollten aufgrund der aktuellen Hitze und dadurch erhöhter Sonnenbrandgefahr ausgesetzt werden. Es kommen wieder „kühlere“ Tage in denen dann geplante Entblätterungen weitergeführt oder begonnen werden können. 
Begrünungen sollten wo noch nicht geschehen nun dringend gemulcht bzw. gewalzt werden um Wasserkonkurrenz auszuschalten. Auch das oberflächliche Stören kann zielführend sein, dazu werden dabei die Kapillaren gebrochen und dadurch bei Regen ein besseres Einsickern ermöglicht. 
Weiterhin sollte, wo noch nicht geschehen über Wassergaben in Junganlagen mit Hochstammreben nachgedacht werden, da hier schon kritische Trockenstresssymptome gefunden werden können. Auch junge Anlagen mit höheren Erträgen müssen ggf. bewässert werden, hier kann aber auch eine Entlastung durch gezielte Traubenentnahme Abhilfe schaffen.
Die diesjährige Ertragssituation ist sehr erfreulich, teilweise sind aber auch zu viele Trauben zu finden. Ertragsregulierende Maßnahmen können begonnen werden, es ist in jedem Fall empfehlenswert die Anlagen durchzugehen, da sehr häufig dritte und teilweise auch vierte Trauben zu finden sind. Diese entsprechen in keinem Fall den aktuellen Qualitätsmaßstäben.
Der unterstützende Einsatz von Blattdüngern wie z.B. Harnstoff (0,5 kg/100 l Spritzbrühe) oder Bittersalz (12-15 kg/ha) ist bei weiter anhaltender Trockenheit und wenig „Nachschub“ aus dem Boden sehr empfehlenswert.

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 25.

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

 

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