Weinbauinfo 15-2021

Allgemeiner Entwicklungsstand:

Durchgängige Blattnässe und erhebliche Niederschläge zwischen 60 und 80 mm seit der letzten Pflanzenschutzmaßnahme halten die kritische Peronospora-Infektionsphase weiterhin aufrecht. Nachgelagerte Probleme sind die zunehmend kritische Befahrbarkeit, schwammige, abbruchgefährdete Böschungen mit massivem Gefährdungspotential beim Überfahren und die mehr als schwierige Mittelverfügbarkeit zur Aufrechterhaltung des Antiresistenzmanagements. Das Nervenkostüm der Betriebsleiter wird immer dünner, da auch parallel anstehende weitere weinbauliche Maßnahmen nicht abgeschlossen sind. Die normal entwickelten Beeren haben BBCH 77-79 „Traubenschluss“ erreicht, nachzügelnde Trauben sind zwischen Schrotkorn- und Erbsengröße. Gerade diese Trauben bereiten aktuell die größten Probleme in Sachen Gesunderhaltung. 

Die Wetterprognose meldet zum Wochenende hin Auflockerungen und weniger Niederschlag, die kommende Woche dann relativ stabil mit höheren Temperaturen und geringen Niederschlägen.

Tierische Schädlinge:

Traubenwickler:

Nach wie vor bewegen sich die Fangzahlen der beiden Wicklerarten auf ganz geringem Niveau. Behandlungen sind entsprechend nicht nötig. 

Die aktuellen Fangzahlen können unter http://monitoring.vitimeteo.de abgerufen werden.


Pilzkrankheiten:

Peronospora:

Durch die neuerlichen Niederschläge mit entsprechender Belagsverdünnung und noch nicht überall erreichtem Traubenschluss sowie der stark mit Ölflecken vorbelasteten Bestände bleibt die Situation kritisch. Die Spritzabstände müssen weiterhin sehr kurz (max. 7-10 Tage) gehalten werden. Da die Infektionsanfälligkeit der Beeren mit dem Stadium Traubenschluss abnimmt, aber leider noch nicht alle Trauben dieses erreicht haben, heißt es weiterhin aufmerksam und konsequent zu bleiben um die noch immer möglichen Ertragsausfälle durch Peronospora möglichst gering zu halten.

Für relativ gesunde Bestände kann bei der nächsten Maßnahme ein Kontaktmittel eingesetzt werden, für stärker belastete Bestände mit sichtbaren Sporulationen kann, wenn überhaupt noch möglich und verfügbar, ein kurativ wirkendes Mittel sinnvoller sein. Sehr wichtig ist hier die konsequente Einhaltung des Antiresistenzmanagements – bitte extrem darauf achten einen nötigen Wirkstoffgruppenwechsel zu erhalten! 

Kritisch zu prüfen ist zudem der mehrfache Einsatz kurativer Mittel auf sporulierende Bestände vor dem Hinblick Resistenzbildung. Dies bitte bei der Auswahl beachten!

Aktuell macht die Nennung einzelner Mittel keinen Sinn, da durch die Vielzahl der Behandlungen und die schlechte Marktverfügbarkeit der Kurativmittel keine pauschale Empfehlung möglich ist – wir bitten die Betriebsleiter um eigenständige Umsetzung!

 

Aus der Praxis wird von stark belasteten bzw. zusammenbrechenden PIWI-Beständen berichtet. Aufgrund der vielen Infektionen reicht die eigene Abwehrkraft nicht aus und so sollten diese zur Ertragsabsicherung bei der anstehenden Pflanzenschutzmaßnahme mitbehandelt werden.

 

Oidium:

Durch die fortschreitende Beerenentwicklung und die kurzen Spritzintervalle konnten bisher sehr erfolgreich Oidiuminfektionen verhindert werden. Für das Beratungsgebiet liegen aktuell keine Befallsmeldungen vor. Für die anstehende Behandlung können bevorzugt Mittel aus der Gruppe der Azole (Topas, Systhane, Sarumo oder Misha) eingesetzt werden. 

Mehr Wirkungssicherheit bieten Produkte wie Kusabi, Vivando oder Talendo; hier ist aber analog Peronospora durch die vielen Überfahrten das Antiresistenzmanagement mit Wirkstoffgruppenwechsel kritisch zu prüfen. 

Die Mittel Kumar und Vitisan (Backpulver) bzw. die neuen Biologicals Taegro und FytoSave bieten sich dann für die abschließenden Behandlungen an.

Der Mittelaufwand errechnet sich aus dem Basisaufwand x 4,0; die Wasseraufwandmenge beträgt 800 l/ha.

Es gelten die Bestimmungen und Hinweise der Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Mittel. Besonders zu beachten sind die Anwendungsbestimmungen mit Hinweisen zur persönlichen Schutzausrüstung und Wiederbetretungsfristen.

Wegen des voraussichtlichen, allgemeinen Beginns der Lese ab dem 27. September 2021 sollten die Abschlussbehandlungen grundsätzlich bis zum 7. August (in späten Weinbaugebieten und – lagen bis zum 14. August) durchgeführt werden. In Selektionsanlagen und Flächen mit deutlich niedrigerem Ertragsniveau sowie frostgeschädigten Flächen setzt die Reife früher ein. In solchen Anlagen sollte die letzte Behandlung bis zum 31. Juli erfolgen.

 

Weinbauliche Hinweise:

Bodenbearbeitungen sind auf das nötigste Maß zu beschränken, selbst tiefes Mulchen kann in Kombination mit den nassen Böden eine starke Stickstoffmineralisation auslösen. Wenn überhaupt zeitlich möglich sollten Bestände hoch gemulcht oder besser nur gewalzt werden. Dadurch wird eine Befahrbarkeit gewährleistet, die in diesen Tagen essentiell ist.

Es ist weiterhin möglich zur Stiellähmevorbeugung in anfälligen Sorten Bittersalz (12-15 kg/ha) auszubringen. 2-3 Behandlungen sind dort empfehlenswert.

  

Sonstige Hinweise:

Termine:

15.7.21 18 Uhr Rebbegehung BWK mit 2-stündiger Sachkundefortbildung; Treffpunkt WG Münchweier

19.7.21 18 Uhr Rebbegehung WG Königschaffhausen-Kiechlinsbergen; Treffpunkt Gausberg

22.7.21 18 Uhr Rebbegehung WG Sasbach; Treffpunkt Agnes

Alle interessierten Winzerinnen und Winzer, auch aus anderen Gemeinden sind herzlich eingeladen. Es gelten die allgemeinen Corona Regeln.

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 29

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen 



Wartezeiten von Pflanzenschutzmitteln

 

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