Weinbauinfo Nr.9-2021

Weinbauinfo Nr. 9 vom 10.06.2021

Allgemeiner Entwicklungsstand:

Mit steigenden Temperaturen und mehr Wärme hat sich in den zurückliegenden Tagen ein rasantes Rebenwachstum eingestellt. Die feuchte-warme Witterung bringt nicht nur Wachstum an Trieb und Blatt, sondern steigert das Infektionsrisiko durch Peronospora und Oidium erheblich. Derzeit sind ca. 10 Blätter sichtbar, erste blühende Gescheine aber auch sporulierende Ölflecken gemeldet, so dass mit dem allgemeinen Beginn der Rebblüte in den kommenden Tagen gerechnet werden kann,

Die Wetterprognose meldet für die kommenden Tage sommerliches Wetter mit bis zu 30°C, aber weiterhin hohem Gewitter- und Starkregenrisiko.

Tierische Schädlinge:

Traubenwickler:

Der Flug der ersten Generation des Traubenwicklers scheint beendet, es werden nur noch einzelne, vor allem bekreuzte Traubenwickler gefangen.

Insgesamt war der Flug bisher sehr verhalten und Bekämpfungsmaßnahmen daher nicht nötig.

Die genauen Fangzahlen können unter http://monitoring.vitimeteo.de/ abgerufen werden.

Glasflügelzikade:

Die Glasflügelzikade als Überträger der Schwarzholzkrankheit hat ihre Wirtspflanze unter anderem an der Ackerwinde, vor allem aber an Brennnesseln. Um den Zuflug in Reben und damit die Wahrscheinlichkeit auf Schwarzholz nicht zu erhöhen, sollten Brennnesseln ab jetzt nicht mehr abgemulcht bzw. gemäht werden.

Pilzkrankheiten:

Peronospora:

Das schwül-warme Wetter und viel Neuzuwachs brachten erste Ölfleckenmeldungen. Dies unterstreicht den aktuellen Infektionsdruck. Spritzabstände sollten derzeit, auch vor dem Hintergrund der bald beginnenden Blüte, bei max. 8-10 Tagen gehalten werden.

Zum Einsatz kommt weiterhin ein Kontaktmittel wie Folpan 80 WDG (0,8 kg/ha) bzw. Folpan 500 SC (1,2 l/ha) oder Delan WG (0,4 kg/ha) oder wenn die stark einschränkenden Anwendungsbestimmungen berücksichtigt werden können Polyram WG (1,6 kg/ha).

Der Zusatz eines phosphonathaltigen Mittels wie z.B. Veriphos (3,0 l/ha), Frutogard (3,0 l/ha) oder Foshield (2,0 l/ha) ist im Hinblick auf das prognostiziert wechselhafte Wetter und viel Neuzuwachs sehr sinnvoll.

Auch die Kombinationsprodukte wie Delan Pro (2,4 l/ha) und Profiler (1,5 kg/ha Mischreihenfolge beachten) sind alternativ möglich. Der Einsatz eines kurativen Mittels wie z.B. Aktuan (1,0 kg/ha), Forum Gold/Star (0,96 kg/ha) oder Melody Combi (1,2 kg/ha) macht nur bis 48 h nach einem Infektionsereignis Sinn.

Oidium:

Hohe Temperaturen lassen das Infektionsrisiko steigen. Es wird ab jetzt nur noch bei sehr kurzen Spritzintervallen von max. 6-7 Tagen Netzschwefel (sowie als Zusatz zur Spritzbrühe bei Milbenbefall) empfohlen. Mehr Wirkungssicherheit bringt der Einsatz eines organischen Mittels wie z.B. Vivando (0,16 l/ha), Dynali (0,4 l/ha), Prosper TEC (0,66 l/ha) oder Talendo (0,2 l/ha).

Der Mittelaufwand errechnet sich aus dem Basisaufwand x 2,0; die Wasseraufwandmenge beträgt 600 - 800 l/ha.

Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.

Weinbauliche Hinweise:

Stämmchen putzen stellt, wie sich derzeit eindrucksvoll feststellen lässt, einen wesentlichen Baustein der Perobekämpfung dar. Meist sind die ersten Ölflecken an Stockausschlägen zu finden. Gerade dieses Jahr nach dem Frostereignis sind sehr starke Triebentwicklungen am Stamm festzustellen und mehrmalige Durchgänge unerlässlich.

In den kommenden Wochen werden umfangreiche Heftarbeiten im Vordergrund der weinbaulichen Arbeiten stehen.

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 24

Gez. Renz

Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

 

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