Service-Navigation

Suchfunktion

Weinbauinfo Nr.19-2019

Datum: 02.09.2019

Weinbauinfo Nr. 19 vom 02.09.2019

Allgemeiner Entwicklungsstand:

Die vergangenen Niederschläge und moderaten Temperaturen haben die Reife deutlich voran gebracht. Das ist die positive Meldung, aber leider findet man nun auch beginnende Fäulnis (Botrytis) durch abdrückende Beeren. Mancherorts war der Regen einfach zuviel. Zusammen mit zurückliegenden Schäden durch Insekten und/oder Oidiumbefall ergibt sich in diesen Anlagen aktuell eine gefährliche Mischung. Halten Sie die Augen offen.

Erfreulich hingegen sind die Reifeentwicklungen und die ersten Erntemeldungen.

Anbei ein Überblick mit Daten des WBI Freiburg:

Müller-Thurgau: 61-63° Oechsle, 10,8-12,6 g/l Säure

Weißburgunder: 62-68° Oechsle, 15,4-17,4 g/l Säure

Grauburgunder: 65-70° Oechsle, 10,0-16,5 g/l Säure

Spätburgunder: 61-72° Oechsle, 10,5-21,2 g/l Säure

Chardonnay: 68-74° Oechsle, 11,8-15,9 g/l Säure

Im Vergleich zur Vorwoche (Start der Reifemessungen) ergab sich eine Mostgewichtszunahme von 6 – 19° Oechsle, abhängig von Lage, Sorte und Klon. Auffällig dieses Jahr sind die ertragsbedingt stark unterschiedlichen Reifezustände in den Anlagen, aber auch von Stock zu Stock. Dadurch wird es wohl zu einer verzögerten und stark auseinandergezogenen Lese kommen, die aller Voraussicht nach kaum vor KW 38 startet. Die ersten Rückmeldungen der frühen Lese hauptsächlich zur Federweißerproduktion klingen optimistisch in Qualität und Quantität und lassen auf einen weiteren positiven Verlauf hoffen.

Die Wetterprognose meldet für diese Woche moderate Temperaturen um 25° C pünktlich zum Herbststart, am Wochenende durch aufkommende Niederschläge weitere Abkühlung mit frischen Nachttemperaturen um 5° C und in der nächsten Woche normales Wetter mit ca. 20° C und kaum Niederschlag. Es bleibt also spannend – auch in Sachen KEF.

Tierische Schädlinge:

Kirschessigfliege (KEF):

An frühen roten Sorten und stark ertragsregulierten, durchgefärbten Premiumanlagen können aktuell am besten adulte Kirschessigfliegen beobachtet werden. Meist im Zusammenhang mit Vorschädigungen oder Wunden der Beeren. In den Lagen mit Abschattung bzw. Zuflugmöglichkeit von anderen Kulturen (Kirschen, Brombeeren, Holunder etc.) ist mit dem größten Aufkommen zu rechnen. Hier ist aktuell besondere Aufmerksamkeit erforderlich. Achten Sie bei den am besten frühmorgens oder spätabends stattfindenden Kontrollen auf das typische Schadbild der schäumenden Beeren. Bei Unsicherheiten ist die Weinbauberatung zu kontaktieren.

Weitere Informationen finden Sie auch in der Sonderbroschüre: Drosophila suzukii im Weinbau – Empfehlungen 2019

Weinbauliche Hinweise:

Eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln macht nur bei sichtbarem Befall und Flugaktivität Sinn. Es sollte dann zur verbesserten Wirkung jede Gasse befahren werden. Da nur Mittel mit relativ langer Wartezeit zugelassen sind, sollte immer eine Rücksprache mit dem Vermarktungsbetrieb stattfinden. Diese sollten sich auch auf eine verfrühte Lesenotwendigkeit einstellen. Grundsätzlich muss jeder Winzer selbst die Notwendigkeit einer Bekämpfung sowie den Beginn der Maßnahmen anhand des Befalls bzw. des Befallsrisikos abwägen und festlegen.

Zur Behandlung stehen folgende Produkte zur Verfügung:

SpinTor, Bienengefährlichkeit B1, Wartezeit 14 Tage, max. 2 Anwendungen, 160 ml/ha Aufwandmenge

Mospilan, Bienengefährlichkeit B4, Wartezeit 14 Tage, 1 Anwendung, 375 g/ha Aufwandmenge

Excirel, Bienengefährlichkeit B1, Wartezeit 10 Tage, 1 Anwendung, 900 ml/ha Aufwandmenge

Weiterhin steht die Kombinationsmethode als Alternative zur Verfügung:

5 ml Spintor + 1l Zusatzstoff combiprotec, auf 20 l Wasser pro ha.

Beachten Sie die Wartezeit von 14 Tagen. Die Kombinationsmethode ist als B1 „bienengefährlich“ eingestuft.

25 g Mospilan SG + 1l Zusatzstoff combiprotec auf 20 l Wasser pro ha.

Wartezeit 14 Tage; Mospilan ist als B 4, also „nicht bienengefährlich“ eingestuft.

Anmischhinweise:

das Mischen sollte in einem separaten Eimer (nicht im Brühbehälter) erfolgen.

erst Wasser (sollte über 20°C haben) und combiprotec aufrühren.

kein Netzmittel zusetzen

Applikation auf das trockene Blatt

Spritze umgehend gründlich waschen.

Ökobetriebe sollten sich mit ihrer Kontrollstelle in Verbindung setzen, ob die Kombinationsmethode erlaubt ist.

Die Ergebnisse der Eibonituren und die Zahlen der Fallenfänge können Sie im Internet unter www.monitoring.vitimeteo.de/$/ abrufen.

Bitte beachten, dass das Mittel „Karate Zeon“ keine Zulassung hat und voraussichtlich auch keine bekommen wird. Der Einsatz eines nicht zugelassenen Mittels ist ein Verstoß gegen das Pflanzenschutzgesetz. Behandelte Produkte sind nicht verkehrsfähig!

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen.

Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben.

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.

Symptome von ESCA bzw. BDA (Black Dead Arm Disease) sind nun recht häufig und umfangreich erkennbar. Gegenmittel bleiben begrenzt, befallene Stöcke sollten markiert werden um für Stammrückschnitt bzw. Entfernung erkennbar zu sein.

Mit Sorge muss die aktuelle Situation um die Zukunft der Landwirtschaft betrachtet werden. Das Volksbegehren „Pro Biene“ hat nun eine weitere Hürde genommen und darf die Unterschriftensammlung beginnen. Jeder einzelne ist aufgefordert was immer möglich ist zu tun um die Endverbraucher (und potentiellen Ziele der Unterschriftensammlung) auf mögliche Konsequenzen hinzuweisen.

Sonstige Hinweise:

Vom 9.9 bis 13.9 bin ich im Urlaub. Vertretung haben die Kollegen Johannes Werner unter 0175/2623256 und Egon Zuberer unter 0162/2550675.

Die nächste Weinbauinfo folgt nach Bedarf situationsabhängig

Gez. Renz

Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

Fußleiste