Allgemeiner Entwicklungsstand
Wenig Neues im Wochenverlauf. So können die letzten 2-3 Wochen zusammengefasst werden und leider ist auch weiterhin kaum Niederschlag gefallen. Vereinzelt kam es am Montag dieser Woche zu mehr oder wenig Gewitterregen, in Summe aber nur ein Tropfen auf den (im wahrsten Sinne) heißen Stein. Die Aussichten auf Regen steigen allerdings, was vor allem den jüngeren Anlagen, aber auch Anlagen auf kargen Böden äußerst gut tun wird. Immerhin könnten dann nötige Bewässerungen wieder etwas zurückgestellt werden.
Viele Anlagen „stehen“ derzeit in ihrer Entwicklung, aber in den tieferen, meist talgängigen Anlagen zeigt sich immer noch ein erfreuliches Wachstum. Wie sich die Traubenstruktur und vor allem die Erträge in den trockengestressten Anlagen zeigen werden, hängt logischerweise in erster Linie vom Wasser ab. Eine Bewertung im aktuellen Zustand ist daher schwierig und meist nicht zielführend. Grundsätzlich sollten Anlagen mit bereits sichtbarem Trockenstress auf Traubenzahl und Traubenfestigkeit geprüft werden, vielen Trauben fehlt aktuell bereits die Spannung durch Wassermangel. Diese Trauben können dann, wenn nötig zur Stockentlastung entfernt werden.
Wie erwähnt steigt laut Wetterprognose die Aussicht auf Regen täglich an. Es werden zum Wochenende Gewitter prognostiziert, möglicherweise aber wieder mit Hagelpotential. Nächste Woche geht es eher trocken und erneut hochsommerlich weiter.
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
In den letzten Tagen kursierten Meinungen über hohe Fangzahlen in manchen Gemeinden, was Überlegungen zu einem Insektizideinsatz auslöste. Die in den Kontrollfallen gefangenen Wickler spiegeln diese „Gerüchte“ in keinster Weise wider, was auch die Rücksprache mit den betroffenen Rebschutzwarten bestätigt. Eine Bekämpfung, möglicherweise auch noch gemarkungsflächig, ist NICHT nötig! Im Zweifelsfall, bzw. wenn Unklarheit über die örtliche Situation besteht bitte bei der Weinbauberatung oder auch beim Rebschutzwart melden. Wie üblich können die aktuellen Fangzahlen unter http://monitoring.vitimeteo.de abgerufen werden.
Pilzkrankheiten
Peronospora
Das Infektionspotential der Peronospora ist durch die anhaltende Trockenheit weitestgehend abgeschlossen. Die Bestände sind kerngesund und es liegt keine einzige Ölfleckenmeldung für das Beratungsgebiet vor. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage ob eine weitere Pflanzenschutzmaßnahme gegen Peronospora überhaupt noch sinnvoll ist? Falls dennoch eine Behandlung geplant ist, kann das eingesetzte Kontaktmittel wie z. B. Folpan 80 WDG auf Basis x 2 reduziert werden. Dies schont die Umwelt und den Geldbeutel. Alternativ kann ein Kupfermittel wie z. B. Cuprozin progress (1,6 l/ha), Funguran progress (2 kg/ha) o. ä. in der letzten Behandlung solo oder im Splittingverfahren (d.h. halbe Aufwandmenge auf die beiden letzten Behandlungen verteilt) angewandt werden. Ebenso ist es möglich nur noch die obere Laubwand zu behandeln, da die Trauben durch die eigene Wachsschicht ausreichend geschützt sind.
Oidium
Auch hier sorgt das fehlende Wasser für wenig Gefahr. Zudem sind die Trauben analog Pero durch ihre Wachsschicht geschützt. Für die anstehende Behandlung sind wie bereits im letzten Weinbauinfo beschrieben zwei Szenarien denkbar. Eine Behandlung mit einem Azol wie z. B. Topas (0,32 l/ha) oder Sarumo/Galileo (0,75 l/ha) oder alternativ der Einsatz eines „Backpulverpräparates“ (Hydrogencarbonat) mit Netzschwefel im Verhältnis 1:1 also ca. 3-4 kg/ha jeweils. Beim Einsatz des Netzschwefelprodukts sollte auf eine kurze Wartezeit geachtet werden. Achten Sie beim Einsatz der Hydrogencarbonate auf sachgerechte Anwendung, d. h. kein Einsatz bei hohen Temperaturen wegen Verbrennungsgefahr.
Auch beim Einsatz der Hydrogencarbonate kann zur Mittelreduktion nur noch die obere Laubwand behandelt werden (dann mit Basis x 2 bzw. halber Aufwandmenge Hydrogencarbonat/Netzschwefel).
In den vom Hagel geschädigten Anlagen des Beratungsgebietes sollte zum Schutz des Neuzuwachses mit einem Kontaktmittel gegen Peronospora sowie mit einem organischen Mittel mit kurzer Wartezeit (max. 21 Tagen) gegen Oidium oder alternativ ebenfalls mit Hydrogencarbonaten weiterbehandelt werden.
Es gelten die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung und evtl. Besonderheiten aus den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Mittel.
Weinbauliche Hinweise
Das meiste ist erledigt, noch laufende Arbeiten werden aktuell abgeschlossen. Wo noch entblättert wird oder werden soll, bitte dringend auf die etwas weniger heißen Tageszeiten schieben um Hitzeschäden zu vermeiden. Je weiter entwickelt die Trauben sind, d. h. je mehr Saft in den Beeren ist, desto höher die Gefahr durch UV-Schäden oder Sonnenbrand.
ESCA fängt nun an auch wieder an – jährlich grüßt das Murmeltier. Nach wie vor sind die Möglichkeiten begrenzt, die „Reset“-Methode hat sich bei wüchsigen Sorten als gute Vorgehensweise erwiesen. Dabei wird ein bodennaher Trieb belassen, um im nächsten Jahr daraus einen neuen Stamm zu bilden. Der infizierte, alte Stamm kann dann entfernt werden. In jedem Fall sollten betroffene Stöcke markiert und für eine nötige Nachpflanzung vorgemerkt werden.
Wie bereits angesprochen, können die erwartbaren Erträge nur schwer abgeschätzt werden. Bleibt es weiterhin trocken, sind niedrige Erträge wahrscheinlich, kommt es zu einem „strategischen“ zeitnahen Regen, hat die Vergangenheit gezeigt, dass durchaus gute bis sehr gute Erträge möglich sind. In jedem Fall sollten ertragsregulierende Maßnahmen gut überlegt bzw. individuell an die Anlagen angepasst durchgeführt werden. Meist reicht es kompakte Trauben zu halbieren bzw. Traubenschultern zu entfernen. Als Richtwert können pro Stock etwa 12-14 Trauben angenommen werden. In trockengestressten Anlagen kann die „Ertragsregulierung“ darin bestehen, Stöcke gezielt zu entlasten um weiteren Stress auf die Rebe zu minimieren.
Es ist zwar ziemlich trocken draußen, so dass gezielte zusätzliche Gaben von Blattdüngern auf Magnesiumbasis (z. B. Bittersalz 12-15 kg/ha) zur Vermeidung von Stiellähme voraussichtlich keine guten Wirkungsgrade erzielen. Es war erfahrungsgemäß allerdings zurückliegend immer besser auf unseren Magnesium-Mangelstandorten unterstützend tätig zu werden, als nichts zu tun. Auch hier gilt es, die etwas kühleren Tagesphasen zu nutzen um Verbrennungen möglichst auszuschließen.
Wenn die Trockenheit weiter anhält, müssen für die Neu- und Junganlagen und vor allem für die nachgepflanzten Reben Bewässerungsgaben umgesetzt werden.
Sonstige Hinweise
Donnerstag, 16.07.2026 um 18:00 Uhr
Rebbegehung BWK Bereich Breisgau mit Sachkundefortbildung
Treffpunkt WG Münchweier – Karte zum Scannen nicht vergessen!
Für das Antragsjahr 2027 stehen die Unterlagen zur Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen bereit.
Alles Weitere unter folgendem Link:
https://foerderung.landwirtschaft-bw.de/,Lde/Startseite/Foerderwegweiser/UuU+-+Merkblaetter_+Formulare
Die nächste Weinbauinfo folgt nach Bedarf.
Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen