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Weinbauinfo Nr. 14/2023

Allgemeiner Entwicklungsstand

Das Wasserdefizit hält trotz einiger erfolgter Niederschläge weiter an und bewegt sich immer stärker in eine anhaltende Austrocknung des Oberbodens. Dies ist ein Sachverhalt der sich von Jahr zu Jahr fortsetzt und den wir zur Kenntnis nehmen müssen. Das Wasser und die Versorgung wird ein großes Thema bleiben. Zudem brachte der letzte Niederschlag vom Montag in einigen Kaiserstuhlgemeinden einen Schreckmoment in Form von leichtem Hagel mit sich. Die Schäden sind glücklicherweise sehr gering, zeigen aber das nach wie vor hohe Risiko der diesjährigen Produktion.
Die Wetterprognose meldet weiterhin sommerlich warmes Wetter mit Gewitterpotential aber etwas moderateren Temperaturen.

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

Die Ermittlung des Flughöhepunkts der zweiten Generation des Traubenwicklers ist mit der Ermittlung der Fangzahlen korreliert. 2023 werden fast keine Falter in den Kontrollfallen gefangen, so dass ein Flughöhepunkt schwer festzulegen ist. Solange kaum Falter gefangen werden ist eine Bekämpfung fachlich nicht sinnvoll und sollte vor allem nicht pauschal bzw. generell durchgeführt werden.
Die aktuellen Fangzahlen können unter https://monitoring.vitimeteo.de eingesehen werden.

Pilzkrankheiten

Peronospora

Die Lage ist ruhig, da kaum Ölflecken mit Infektionspotential gefunden werden. Wenn überhaupt sind einzelne, nicht sporulierende Ölflecken im Gipfellaub zu finden. Diese haben keinen Einfluss auf die Trauben bzw. den Ertrag, sondern stellen maximal einen Schönheitsfehler dar. Für die noch ausstehenden Pflanzenschutzmaßnahmen ist es ausreichend den Belag mit einem Kontaktmittel mit kurzer Wartezeit zu halten. Es kommt z.B. Folpan 80 WDG (1,6 kg/ha, WZ 35 Tage), Videryo F (2,5 l/ha, WZ 28 Tage) oder eines der Kupferpräparate (Cuprozin progress 0,8 l/ha, WZ 21 Tage oder Funguran progress 1kg/ha, WZ 21 Tage o.ä.) im Splittingverfahren zum Einsatz.

Oidium

Oidium lässt dieses Jahr keine Ruhe, fast täglich kommen neue Meldungen von Einzelbeerenbefall dazu. Es handelt sich aber um kein flächiges Problem. Die Gründe sind vielfältig und bedürfen einer genauen Analyse, auffällig ist allerdings der Einfluss des Winds auf die Befallsdynamik und das Auftreten von Oidium. Dort wo Befall sichtbar ist, müssen die bekannten Stoppspritzungen fortgesetzt werden. Erneut der dringende Appell die Anlagen intensiv auf Befall zu kontrollieren! Das „Traubenwaschen“ bedingt eine gute Applikationsqualität d. h. es ist mit viel Wasser zu behandeln und es sollte unbedingt jede Gasse befahren werden.
In befallsfreien Anlagen kann bei der nächsten Pflanzenschutzmaßnahme auf ein organisches Mittel mit kurzer Wartezeit wie z. B. Topas (0,32 l/ha, WZ 35 Tage), Sarumo (0,75 l/ha, WZ 28 Tage) oder eines der Backpulverpräparate zurückgegriffen werden. 
Der Mittelaufwand errechnet sich aus dem Basisaufwand x 4.
Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.
Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

Weinbauliche Hinweise

Entblätterungen bei Hitze aussetzen bzw. auf kühlere Tage verschieben um Sonnenbrandschäden zu vermeiden. Es ist meist ausreichend Weißweinsorten einseitig auf der sonnenabgewandten Seite zu entblättern, damit weinqualitative Inhaltsstoffe geschont werden.
Rotweinsorten können beidseitig entblättert werden, dies fördert Gerbstoff- und Farbbildung.
Ertragsregulierende Maßnahmen weiterführen bzw. starten, es gibt immer noch viele Anlagen mit zu hoher Traubenzahl. Es stehen mehrere Möglichkeiten der Ertragsregulierung zur Verfügung, empfohlen wird sich zuerst auf die kompakten Trauben zu konzentrieren, da hier am schnellsten Fäulnisprobleme zu erwarten sind. 
Das Entfernen einzelner Traubenteile (Schultern/Achseln) trägt häufig zur besseren Positionierung der Trauben bei. Auffällig ist 2023 dass, je nach Sorte und Klon sehr ausgeprägte Schultern/Achseln ausgebildet wurden, die für sich gesehen einen eigenen Trauben bilden. 
Trockenstress, vor allem in Neu- und Junganlagen nimmt weiter zu und es sind schon viele Betriebe an der Umsetzung einer Wassergabe. Auch das Wachstum der älteren Anlagen stagniert derzeit, dies ist sicherlich beginnender Wasserstress, hängt aber häufig auch an der großen Traubenzahl die versorgt werden muss. Somit bleibt nicht mehr viel Energie für den Blattzuwachs im Gipfellaub übrig.
ESCA nimmt nun ebenfalls langsam „Fahrt“ auf, sichtbar am Zusammenbrechen der Stöcke bis zum Absterben bzw. der typischen Tigerstreifensymptomatik. 

Sonstige Hinweise

Nochmals zur Erinnerung die Termine zur diesjährigen Abschlussbehandlung:

Anlagen für Sektgrundwein und Neuem: 21.-22.07.2023 
Generelles Ende: 28.-29.07.2023 
Späte Lagen: 04.-05.08.2023

Umstrukturierung 2024

Die neuen Anträge für das Antragsjahr 2024 können unter Anträge und Formulare abgerufen werden.
Die Anträge sind wie bekannt bis zum 31.08. des Vorjahres für das Antragsjahr zu stellen. 

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich innerhalb 14 Tagen.

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

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