Allgemeiner Entwicklungsstand
Das Schreiben der aktuellen Weinbauinfo erinnert an ein gutes Deja-Vu, denn es gibt nicht wirklich viel Neues seit letzter Woche. Zunehmender Trockenstress vor allem am Kaiserstuhl, dadurch natürlich eine sehr verhaltene Traubenentwicklung mit kleinen Beeren/Trauben und trockenheitsbedingt kaum Wachstum/Wiederbegrünung in den vom Hagel geschädigten Gebieten. Das Land trocknet aus! Was das für einen Einfluss auf die Erträge haben wird, lässt sich nur sehr schwer einschätzen, da in der Vergangenheit oftmals ein größerer Regen gereicht hat um die Lage zum positiven zu wenden. Zum Stichwort positiv: Die meisten Reben sind auf einem guten Stand und die nötigen Arbeiten weitestgehend abgeschlossen. Die Pflanzenschutzsaison neigt sich ohne Probleme und mit großem Einsparpotential ihrem Ende entgegen.
Die Wetterprognose meldet weiterhin hochsommerliches Wetter mit hohen Temperaturen im 30er Bereich, sowie weiterhin leider keinen nennenswerten Niederschlag.
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Bis auf einzelne Fallen war der Flug der zweiten Generation des Traubenwicklers weitestgehend ruhig. Es wurden und werden sehr wenige Falter gefangen. Die örtlichen Rebschutzwarte geben bei Bedarf Auskunft über den aktuellen Stand, des Weiteren können die Fangzahlen unter http://monitoring.vitimeteo.de abgerufen werden.
Pilzkrankheiten
Peronospora
Die Infektionsgefahr durch Peronospora ist für dieses Jahr weitestgehend gebannt, denn Infektionen fallen nicht vom Himmel. Woher sollen ohne Niederschläge Sporen kommen und ohne Sporen Ölflecken? Der Einsatz eines Kontaktmittels wie z. B. Folpan 80 WDG o. ä. mit kurzer Wartezeit und mit reduzierter Aufwandmenge (Basis x 2 – 2,5) ist weiterhin möglich. Alternativ kann wie im letzten Weinbauinfo Nr. 12 beschrieben, Kupfersplitting (d. h. halbe Aufwandmenge auf die beiden letzten Behandlungen verteilt) für die letzten beiden Behandlungen vorgesehen/geplant werden. Da wie bereits angesprochen die Infektionsgefahr sehr gering ist, kann in der nächsten Behandlung auch gänzlich auf ein Mittel gegen Peronospora verzichtet werden. Die noch ausstehenden Pflanzenschutzmaßnahmen sind am Abschlusstermin 25.07.2026 bzw. 18.07.2026 für Saft und Sekt bzw. neuer Süßer auszurichten.
Oidium
Das Infektionsrisiko nimmt weiter ab, stabilen Wachsschichten der Beeren/Trauben geschuldet, aber auch aufgrund der anhaltenden Trockenheit. Wasser als Lebensspender für das Pilzwachstum steht nicht wirklich zur Verfügung, vor allem auch nicht in Form von Tau oder Verdunstung. Sollte es zudem noch zu einer neuen Hitzewelle kommen, dürfte die Pilzbiologie weitestgehend zum Stillstand kommen.
Aufgrund dieser Situation sind weiterhin zwei Szenarien denkbar:
- Die „klassische“ Variante mit unseren altbekannten und bewährten Pflanzenschutzmitteln Topas (0,32 l/ha) oder Sarumo/Galileo (0,75 l/ha)
- Eine Behandlung mit Hydrogencarbonaten und Netzschwefel im Mischungsverhältnis 1:1 d. h. ca. 3-4 kg/ha Hydrogencarbonat wie z. B. Vitisan, Kumar o. ä. mit 3-4 kg/ha Netzschwefel Stulln oder Kumulus mit Wartezeit 28 Tage
Beim Einsatz der klassischen Mittel ist zwingend auf einen Wirkstoffgruppenwechsel zu achten d. h. keine Mittel mit der gleichen Farbe bzw. des gleichen Buchstabens zweimal hintereinander.
Die bereits angesprochen günstige Wetterprognose lässt sogar die Überlegung zu, ab jetzt nur noch die obere Laubwand weiterzubehandeln. Dadurch wird nicht nur Mittel gespart, sondern vor allem auch der Geldbeutel entlastet.
Es gelten die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung und evtl. Besonderheiten aus den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Mittel.
Weinbauliche Hinweise
Die meisten Arbeiten sind, wie bereits angesprochen, weitestgehend erledigt. Besteht noch Handlungsbedarf handelt es sich meist um Pflegearbeiten wie Gipfeln, Bodenpflege oder Walzen/Mulchen. Arbeiten am Boden sollten möglichst bodenwasserschonend durchgeführt werden.
Vor allem nachgepflanzte Reben dürsten nach Wasser, aber auch Neu- und Junganlagen kommen zunehmend unter Wasserstress. Gerade in jüngeren Anlagen kann es eine gute Option sein, gestresste Rebstöcke vom Ertrag zu entlasten d. h. die Trauben zu entfernen. Es sollte in jedem Fall sehr individuell vorgegangen werden, eine generelle Reduktion aller Rebstöcke wird nicht empfohlen.
Sonstige Hinweise
Termine
Dienstag, 14.07.2026 um 18:00 Uhr
Rebbegehung WG Sasbach,Treffpunkt Limberg
Donnerstag, 16.07.2026 um 18:00 Uhr
Rebbegehung mit Sachkunde BWK Bereich Breisgau,Treffpunkt WG Münchweier (Karte nicht vergessen – sonst keine
Teilnahmebestätigung an der Sachkunde möglich!)
Am 20.07. und 21.07.2026 finden zwei Termine zur Extensivierung im Weinbau statt. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage des WBI.
Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 29.
Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen