Navigation überspringen

Weinbauinfo Nr. 13/2023

Allgemeiner Entwicklungsstand

Nach den Extremtemperaturen der vergangenen Tage haben vereinzelte Gewitter für etwas Abkühlung gesorgt und die Wasserversorgung leicht verbessert. Trotzdem steigt das Wasserdefizit weiter an und wir befinden uns weit hinter dem langjährigen Mittel. Unsere Kulturlandschaft trocknet aus. Dies bringt neue, noch nicht überall präsente Probleme mit sich, öffnet aber auch neue Wege und Geschäftsmodelle. Aus den beschriebenen Gewittern haben sich glücklicherweise keine Schäden durch Hagel im Beratungsgebiet entwickelt. Wir stehen aktuell bei Traubenschluss, teilweise können vereinzelte färbende Beeren beobachtet werden. Insgesamt ein erfreuliches Bild.
Die Wetterprognose meldet für die kommenden Tage weiterhin heiß und sommerlich, auch Gewitterstörungen sind möglich.

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

Aktuell läuft der Flug der zweiten Generation des Traubenwicklers, aber es ist noch kein Flughöhepunkt gemeldet. Eine Bekämpfung ist somit noch nicht nötig.
Die aktuellen Fangzahlen können unter https://monitoring.vitimeteo.de eingesehen werden.

Pilzkrankheiten

Peronospora

Die Gewitterniederschläge der letzten Tage haben vereinzelt zu neuen Ölflecken im Gipfellaub geführt. Der Laubschnitt war hier die beste Pflanzenschutzmaßnahme um den Infektionsdruck zu minimieren. Die „stehende“ Laubwand ist weitgehend stabil und umfänglich geschützt, so auch die Trauben und es sind keine Ertragsschäden mehr zu erwarten. Zum Einsatz kommt ein Kontaktfungizid wie z. B. Folpan 80 WDG (1,6 kg/ha), Videryo F (2,5 l/ha) oder Mildicut (4,0 l/ha). 
Alternativ kann in gesunden Anlagen ein Kupferpräparat wie z. B. Funguran progress (1 kg/ha) oder Cuprozin progress (0,8 l/ha) oder ähnlich in Kupfersplitting ausgebracht/eingesetzt werden. 
Bei Behandlung unmittelbar nach Niederschlägen ist der Einsatz kurativer Mittel wie z. B. Melody Combi (2,2 kg/ha), Ampexio (0,48 kg/ha) oder Orvego (1,6 l/ha) die bessere Wahl. Achten Sie darauf Kurativmittel NICHT zweimal direkt hintereinander einzusetzen.

Oidium

Die Befallsmeldungen durch Oidium reißen nicht ab. Meist sind es „versteckte“ Ecken in der Anlage im Traubeninneren oder an Spritzschatten. Diese Einzelbeeren bergen eine hohe Gefahr, denn sie halten den Druck in der Anlage hoch. Auch Sanierungsfahrten mit Backpulver sind bereits durchgeführt worden oder werden benötigt. Gleiches wird aus vielen anderen, umliegenden Weinbaugebieten gemeldet. Bitte beobachten Sie ihre Anlagen intensiv, dies ist eine wirklich dringende Bitte!
Für gesunde Anlagen ohne Befall kommt ein organisches Mittel aus der Wirkstoffgruppe 3 wie z. B. Dynali (0,8 l/ha, Wirkstoffgruppe R/G), Vivando (0,32 l/ha, Wirkstoffgruppe K) oder Kusabi (0,3 l/ha, Wirkstoffgruppe K) zum Einsatz. 
Bei festgestelltem Oidiumbefall sollte umgehend eine Zwischenbehandlung der Traubenzone mit einem Backpulverpräparat plus Schwefel durchgeführt werden. Nach 3-4 Tagen sollte der Behandlungserfolg kontrolliert und bei weiterhin aktivem Pilzbelag, die Behandlung wiederholt werden. 
Beachten Sie die besonderen Anwendungsempfehlungen für die Bicarbonate. Die Anwendung sollten in den Abend- oder Morgenstunden durchgeführt werden. 
Der Spritzabstand sollte aufgrund der vorliegenden Befallsmeldungen 10 Tage nicht überschreiten.
Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.
Der Mittelaufwand errechnet sich aus dem Basisaufwand x 4.
Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.
Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

Weinbauliche Hinweise

Hitzebedingt sollten Entblätterungen, vor allem noch nicht durchgeführte „neue“ Entblätterungen zurückgestellt werden, um die Sonnenbrandgefahr zu minimieren. Bodenwasserschonende Maßnahmen sind nun dringend umzusetzen, da es voraussichtlich trocken und heiß weitergeht und jeder Liter Wasser von der Rebe selbst benötigt wird. Schade für manche langwierig etablierte Begrünung, aber leider bei weiterhin ausbleibender nachhaltiger Wasserversorgung nicht zu ändern.
Denken Sie daran ihre Anlagen auf ein entsprechendes Ertragsniveau zu bringen – viele Anlagen haben zu viele Trauben und entsprechend zu hohen Ertrag. Hierzu bieten sich hauptsächlich kompakte Trauben an, aber auch ineinander liegende bzw. sich berührende Trauben- oder Traubenteile sollten/können durchgearbeitet werden.

Sonstige Hinweise

Termin Abschlussbehandlung: Wir verzeichnen derzeit einen Entwicklungsvorsprung von 7-10 Tagen. Ein Lesebeginn für die Hauptlese Mitte September ist deshalb wahrscheinlich. Dementsprechend wurde in einer gemeinsamen Besprechung von Weinbauinstitut und Weinbauberatung festgelegt, dass der Termin für die Abschlussbehandlung bis zum 29. Juli eingeplant werden sollte. In den späteren Lagen und in den Gebieten mit stärkerem Hagelschaden ist ein Hinausziehen auf die Folgewoche (bis 5. August) fachlich gerechtfertigt.

Anlagen für Sektgrundwein und Neuem: 21.-22.07.2023
Generelles Ende: 28.-29.07.2023 
Späte Lagen: 04.-05.08.2023

Termine
11.07.2023 um 18:00 Uhr
Rebbegehung WG Königschaffhausen-Kiechlinsbergen, Treffpunkt Umlegung Birke

13.07.2023 um 18:00 Uhr
Rebbegehung BWK Bereich Breisgau mit SKN, Treffpunkt Traubennahme Münchweier

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich innerhalb 14 Tagen.

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

Informationen  zum Datenschutz und zum Einsatz von Cookies auf dieser  Seite finden Sie in unserer Datenschutzerklärung