Allgemeiner Entwicklungsstand
In welch spannungsgeladenem Umfeld die landwirtschaftliche Produktion stattfindet, hat der gestrige Abend wieder einmal in aller Deutlichkeit gezeigt. Einerseits fielen nun die dringend benötigten Niederschläge im Beratungsgebiet (je nach Wetterstation zwischen 17mm und knapp 50mm), andererseits aber dazu heftiger Hagel in einigen Teilen des Beratungsgebietes. Der Schwerpunkt des Hagels lag am Verbindungsweg Endingen – Bahlingen sowie im Raum Schelingen. Wie es auf diesen Flächen weitergeht, zeigt die Zeit, stark betroffene Flächen haben aber den Großteil ihres Ertrags verloren. Die Wetterprognose meldet weiterhin kritisches Gewitterwetter, so dass weitere Schäden nicht ausgeschlossen werden können, dazu ab nächste Woche auch wieder den Beginn einer erneuten Hitzewelle mit Temperaturen im mittleren und hohen 30er Bereich.
Tierische Schädlinge
Traubenwickler:
Der Flug der zweiten Generation hält an, aktuell sehr verhalten. Die Rebschutzwarte stellen die örtlichen Fangzahlen bereit oder sie können unter http://monitoring.vitimeteo.de abgerufen werden.
Pilzkrankheiten
Peronospora:
Es ist trotz der gefallenen Niederschläge immer noch wenig Infektionsdruck durch Peronospora, das liegt daran, dass kaum Sporen die
Hitzewelle überlebt haben. Grundsätzlich gilt dies auch für die Hagelgebiete, so dass fachlich gesehen eine zusätzliche
absichernde Pflanzenschutzmaßnahme dort nicht zwingend erforderlich ist. Nimmt man die Wetterprognose hinzu, die eine erneute
Hitzewelle prognostiziert, sollten die aktuellen Hagelschäden ohne weiteres Zutun eintrocknen.
Die Erfahrungen aus den zurückliegenden Hagelereignissen zeigen aber auch, dass ein schnellstmöglicher Wundverschluss durch eine
Pflanzenschutzmaßnahme gerechtfertigt ist. Vor allem in Situationen mit unklarer Wetterlage also weiterer Niederschlagsprognose kann
dies sinnvoll sein. Zum Einsatz kommt ein Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG o.ä. mit der Aufwandmenge Basis x 3,5 - 4. Alternativ
kann auch ein Mittel mit kurativer Wirkung eingesetzt werden, die Zugabe eines phosphonathaltigen Mittels zum jetzigen Zeitpunkt bringt
allerdings keine Verbesserung und sollte erst dann zugegeben werden, wenn sich in den geschädigten Flächen wieder Neuzuwachs
zeigt.
In den nicht geschädigten Anlagen kann weiterhin ein Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG, Delan SC/Delan WG o.ä. mit der
reduzierten Aufwandmenge Basis x 2 (siehe Weinbauinfo Nr. 11 aus der letzten Woche) eingesetzt werden. Alternativ kann nun Kupfer im
Splittingverfahren (d.h. halbe Aufwandmenge auf die beiden letzten Behandlungen verteilt) angewandt werden. Die noch ausstehenden
Pflanzenschutzmaßnahmen sind am Abschlusstermin 25.7.26 bzw. 18.7.26 für Saft und Sekt bzw. neuer Süßer
auszurichten.
Oidium:
Gesunde Bestände, guter Pflanzenschutz und immer wenig Infektionsdruck lassen uns nun zuversichtlich in die letzten Behandlungen gehen. Es sind aktuell zwei Szenarien denkbar:
1. Die „klassische“ Variante mit unseren altbekannten und bewährten Pflanzenschutzmitteln Topas (0,32 l/ha) oder Sarumo (0,75 l/ha)
2. Eine Behandlung mit Hydrogencarbonaten und Netzschwefel im Mischungsverhältnis 1:1 d.h. ca. 3-4 kg/ha Hydrogencarbonat wie z.B. Vitisan, Kumar o.ä. mit 3-4 kg/ha Netzschwefel Stulln oder Kumulus mit Wartezeit 28 Tage
Beim Einsatz der klassischen Mittel ist zwingend auf einen Wirkstoffgruppenwechsel zu achten d.h. keine Mittel mit der gleichen Farbe bzw. des gleichen Buchstabens zweimal hintereinander.
Weinbauliche Hinweise
Wo gewitterbedingt starker Wind aufgetreten ist, sehen die Anlagen nun extrem „wild“ aus. Hier muss ein weiterer, ordnender
Heftdurchgang gemacht werden. Ansonsten hat sich die Lage aufgrund der Niederschläge etwas entspannt, so dass geplante
Bewässerungsmaßnahmen nicht mehr zwingend nötig sind, sondern gezielt als Ergänzung in Neu- und Junganlagen, aber vor
allem auch bei nachgepflanzten Reben umgesetzt werden können. Weiterhin wichtig ist es, möglichst bodenwasserschonend zu agieren,
d.h. vor allem Konkurrenzbegrünung durch Walzen oder Mulchen kurz zu halten und keine öffnenden Bodenbearbeitungen vorzunehmen.
Das gestrige Gewitter hat wieder mal gezeigt, dass es bei offenen Böden sehr schnell zu Erosion und dadurch zu Humusabtrag kommen
kann, dies gilt es dringend zu vermeiden.
Sollte eine neue Hitzewelle anrollen, gelten die bekannten Aussagen, d.h. Arbeiten sollten wenn möglich soweit verschoben werden, dass
keine Schäden entstehen. Dies gilt vor allem für noch laufende Entblätterungsmaßnahmen. Wie sich die Erträge
darstellen, kann noch nicht gänzlich bewertet werden, fest steht aber, dass die Hitze bereits Einfluss auf die Beerengrößen
und das Beerenwachstum hatte.
Hitzetage ausgenommen können unterstützende Blattdüngergaben jederzeit den laufenden Pflanzenschutzmaßnahmen zugegeben
werden.
Sonstige Hinweise
Termine:
01.07.2026, 18 Uhr:
Rebbegehung WG Bischoffingen-Endingen
Treffpunkt Traubenannahme Endingen
Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 28
Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen