Weinbauinfo Nr. 10

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Allgemeiner Entwicklungsstand

Heiße Tagestemperaturen, böiger Fönwind und kein Regen – das Land trocknet aus. Immer deutlicher sichtbar wird der zunehmende Wassermangel, vor allem auch in den Obstkulturen und an den Böschungen. Wenn es so weitergeht, was sich leider abzeichnet, muss vermutlich bald auch über Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen nachgedacht werden. Wie bereits angedeutet meldet die Wetterprognose weiterhin hochsommerliche Bedingungen, in den nächsten Tagen sogar mit einer Hitzewelle über 35°C und keinerlei Regen. Warten wir es ab, die Wetterprognose ist nicht immer so scharf und korrekt, vielleicht ergibt sich gegen Wochenende noch ein anderes Bild. Sucht man in dieser Situation die erfreulicheren Dinge, dann ist der sehr positive Traubenansatz unserer Reben sowie die Erträge zu nennen, des Weiteren haben wir einen durchgängig hervorragenden Gesundheitszustand. Der Entwicklungsstand nähert sich BBCH 77 (Beginn des Traubenschluss) durchgängig, in späteren Lagen und Sorten haben wir noch BBCH 75 (Schrotkorngröße).

Tierische Schädlinge

Traubenwickler:

Demnächst startet der Flug der zweiten Generation des Traubenwicklers, so dass die Rebschutzwarte nun die Fallen ertüchtigen sollten um den Flugbeginn korrekt zu erfassen. Die Fangzahlen sind wie üblich beim örtlichen Rebschutzwart oder unter http://monitoring.vitimeteo.de abzurufen.

Glasflügelzikade:

Es gelten die in Weinbauinfo Nr. 9 gemachten Aussagen – bitte entsprechend beachten!

Pilzkrankheiten

Peronospora:

Die Lage ist aufgrund der hohen Temperaturen und fehlender Niederschläge sehr entspannt. Durch die angekündigte Hitzewelle der nächsten Tage werden (fast unmögliche) Ölflecken zudem „ausgebrannt“. Es ist also weiterhin eine sehr einfache, kostengünstige Kontaktstrategie ausreichend. Es kommt z.B. Folpan 80 WDG (1,4 kg/ha), Delan WG (0,7 kg/ha) oder Enervin SC (2,1 l/ha) zum Einsatz.

Oidium:

Obwohl selbst wenig Luftfeuchtigkeit fehlt und die hohen Temperaturen nicht sehr „oidiumfreundlich“ sind, heißt es weiterhin aufpassen. In dieser Phase kann das lange Ziehen eines Spritzabstandes Lücken hinterlassen, die dann besiedelt werden können. Also gilt weiterhin konsequenter Pflanzenschutz im Abstand von ca. 10-12 Tagen. Zum Einsatz kommt z.B. Vivando (0,28 l/ha), Kusabi (0,26 l/ha) oder Dynali (0,7 l/ha). Es ist zwingend auf einen Wirkstoffgruppenwechsel zu achten! D.h. in der Antiresistenztabelle ist auf einen anderen Buchstaben bzw. eine andere Farbe zu wechseln.

Botrytis:

Der Entwicklungsstand Traubenschluss bietet in kompakten Sorten und Klonen durch den Einsatz eines Spezialbotrytizids letztmalig Gelegenheit das Stielgerüst zu schützen. Vor allem für Premiumanlagen oder Anlagen ohne bisherige „Vorbehandlung“ wie z.B. Druckluftentblätterung, Bioregulatoren o.ä. ist dies zu überlegen. Für alle anderen Anlagen sollte diese Sonderbehandlung aus wirtschaftlichen Gründen gut überlegt werden. Wer diese Behandlung plant kann z.B. Switch (0,48 kg/ha), Teldor (0,75 kg/ha), Kenja (0,75 l/ha) oder Cantus (0,6 kg/ha) anwenden. Cantus oder Kenja kann nur eingesetzt werden, sofern bei der Oidumbehandlung ein SDHI – Mittel nur einmal eingesetzt wurde und die Behandlung nicht im Block erfolgt. Kenja und Cantus sind ebenfalls in der SDHI - Wirkstoffklasse. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Es muss als reine Traubenzonenbehandlung jede Gasse befahren werden. Eine vorausgehende Entblätterung erhöht die Wirksamkeit der Mittel enorm. Es ist vor dem Einsatz die Zustimmung des Vermarkungsbetriebs einzuholen, da diese Sondermaßnahme nicht überall gewünscht ist. Generell gilt, dass Pflanzenschutzmaßnahmen nicht an den heißesten Tagen durchgeführt werden sollten, wenn unvermeidbar sollte möglichst früh am Morgen oder abends gefahren werden.

Weinbauliche Hinweise

Gleiches gilt für geplante oder aktuell startende Entblätterungsmaßnahmen, welche ebenfalls nicht in der größten Hitze des Tages durchgeführt werden sollten. Es können dann, trotz noch früher Beerenentwicklungsstadien, Schäden nicht ausgeschlossen werden. Ergänzende Hinweise zur Entblätterung finden Sie in der letzten Weinbauinfo Nr. 9. Häufig im zeitigen Zusammenhang zur Entblätterung stehen ertragsregulierende Maßnahmen, da nach freigestellter Laubwand der Ertrag gut sichtbar wird. Aufgrund der allgemein gut verlaufenen Blüte und in Summe wenig Verrieselungsschäden ist von einem guten (und teilweise zu gutem) Ertragsniveau auszugehen. Es können ab sofort, heiße Tage auch hier ausgenommen, ertragsregulierende Maßnahmen begonnen werden. Dazu zählt das frühe Halbieren ganzer Trauben aber auch das Entfernen ganzer Trauben mit schlechter Exposition in der Traubenzone sowie das Entfernen von Traubenschultern. Welche Anlagen reguliert werden müssen und welches die richtige Maßnahme ist, kann nur durch Beobachtung und Bewertung entschieden werden.
Laufende Heftarbeiten haben einen wesentlichen Teil der weinbaulichen Arbeiten der letzten Wochen bestimmt, sind aber nun weitestgehend abgeschlossen. Mit dem anstehenden ersten Gipfeltermin, sowie möglichen Bodenpflegearbeiten zur Bodenwasserschonung setzen sich diese Arbeiten fort. Von großen, öffnenden Bodenpflegemaßnahmen ist abzusehen um eine Stickstofffracht in die jungen Beeren zu vermeiden. Derzeit ist bedingt durch die Trockenheit die Aufnahme von Stickstoff (N) in die Pflanze zwar nur begrenzt, durch Feuchtigkeit in Form von Niederschlag kann sich das aber schnell ändern und als Resultat kompakte Trauben/Beeren mit hoher Fäulnisanfälligkeit bedingen.
Die Zugabe weiterer unterstützender Blattdünger wie z.B. Bittersalz, EpsoTop oder Eisenchelaten ist weiterhin möglich. Auch hier sollten die heißen Tage abgewartet werden, um Verbrennungsschäden auszuschließen. Es gelten die in der Gebrauchsanleitung hinterlegten Einsatzmengen.

Sonstige Hinweise

Termine: 

25.06.26, 18 Uhr 

Rebbegehung WG Königschaffhausen-Kiechlinsbergen 
Treffpunkt Gausberg

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 26

 

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen