Allgemeiner Entwicklungsstand
Die meisten Anlagen sind abgeblüht und so können derzeit trotz der kühlen Temperaturen zügig wachsende Beeren und Trauben beobachtet werden. Meist ist das Stadium BBCH 73 (Schrotkorngröße der Beeren) aber auch schon BBCH 75 (Erbsengröße) erreicht. Also der ideale Zeitraum für die Druckluftentblätterung. Verrieselungsschäden wurden bisher kaum beobachtet, nur die L-Klone des Spätburgunders zeigen eine gewisse Auffälligkeit. Möglicherweise lag das an zu hohem Energieverbrauch während der Blüte, da sich bei diesem Klon in der laufenden Blüte noch zusätzlich das Stielgerüst sehr stark vergrößert hat. Bei weiterhin guter Wetterprognose kann aber davon ausgegangen werden, dass viele Anlagen im Beratungsgebiet stabile und gute Erträge erreichen werden.
Die Wetterprognose meldet für diese Woche noch wechselhaftes und eher kühleres Wetter, pünktlich zum WM-Start der deutschen Fußballnationalmannschaft am Sonntag soll es dann aber wieder sommerlich und warm werden.
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Der Flug der ersten Generation ist beendet. Er verlief ohne große Auffälligkeiten und mit sehr geringen Fangzahlen. Die Rebschutzwarte werden nun gebeten, die Kontrollfallen für die zweite Generation auszurüsten um den beginnenden Flug zu erfassen.
Die Fangzahlen können wie gewohnt unter http://monitoring.vitimeteo.de oder beim örtlichen Rebschutzwart abgefragt werden.
Glasflügelzikade
Die Glasflügelzikade als Überträger der Schwarzholzkrankheit lebt normalerweise an ihren Wirtspflanzen Brennnessel oder Ackerwinde. Steht nicht genug natürlicher „Wohnraum“ zur Verfügung, weicht sie auf Reben aus und kann dabei die Krankheit übertragen. Es sind daher ab jetzt die natürlichen Habitate Brennnessel und Ackerwinde zu schonen um einen Einflug in die Reben möglichst zu minimieren.
Pilzkrankheiten
Peronospora
Zwar sind einige kleine Niederschläge im Beratungsgebiet gefallen, aber nach wie vor liegen keine Befallsmeldungen in Form von Ölflecken vor. Sicherlich waren die kurzen Spritzabstände während der Blüte ein entscheidender Faktor, aber auch das vorherig trockene Wetter und kaum Infektionspotential haben die Gefahr klein gehalten. Es kann weiterhin mit einem Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG (1,2 kg/ha), Delan WG (0,6 kg/ha) o.ä. plus eines der phosphonathaltigen Mittel wie z.B. Foshield, Phosfik oder Veriphos (max. 2 l/ha) gearbeitet werden. Der Einsatz eines phosphonathaltigen Mittels macht selbstverständlich nur (noch) in Anlagen Sinn in denen nicht unmittelbar danach gegipfelt wird.
Oidium
Der hohe Infektionsdruck hält an. Grund sind die zwar geringen Niederschlagsmengen, aber bei weitem ausreichenden Mengen für Oidium. Auch gilt es noch vereinzelte Spätblüher zu schützen, so dass hier weiterhin aufmerksam und eher mit kürzeren Spritzabständen von ca. 10 Tagen gearbeitet werden sollte.
Zum Einsatz kommt z.B. Belanty (1,5 l/ha, Berechnung über LWF-Modell), Talendo (0,3 l/ha) oder Dynali (0,6 l/ha). Für Anlagen in denen bisher kein SDHI-Mittel (Sercadis, Luna Max, Luna Experience) eingesetzt wurde, kann dies alternativ geplant werden. Bitte dringend auf einen Wirkstoffgruppenwechsel achten! Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.
Weinbauliche Hinweise
Das Motto der letzten Woche ist das gleiche wie diese Woche: Heften, heften, heften. Damit sind die Schwerpunkte der aktuellen weinbaulichen Arbeiten fast gänzlich beschrieben. Entblätterungen mittels Druckluft können aktuell am besten durchgeführt werden, es ist auf einen moderaten Einsatz mit eher niedrigeren Drücken von 0,4 – 0,6 bar zu achten. Die zu erwartende Reifeverzögerung bzw. Schäden sind im genannten Einsatzbereich deutlich geringer als im hohen Druckbereich. Auch alle anderen Arten der maschinellen Entblätterung können nun gestartet werden, sind aber nicht so termingebunden wie die Druckluftentblätterung. Die Vorteile der frühen Entblätterung sind eine schnelle UV-Abhärtung der jungen Beeren und dadurch stark verringerter Sonnenbrandgefahr, aber auch bessere Applikationsqualität sowie Abtrocknung in der Traubenzone. Für alle Entblätterungen gilt, besser moderat 2-3 Blätter von der Triebbasis aus zu entfernen, als die Trauben komplett freizustellen. Es kann noch lange nachgearbeitet werden, falls das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist. Auch sollten Weißweinsorten nur einseitig sonnenabgewandt entblättert werden, Rotweinsorten können beidseitig entblättert werden.
Falls die Entwicklung weiterhin so rasant wie bisher läuft, wird bald das erste Gipfeln der Triebspitzen nötig werden. Generell sollten Triebspitzen als zusätzlicher Assimilatsverbraucher so lange wie möglich belassen werden, denn sonst fließt alle von der Pflanze bereitgestellte Energie in den einzigen übrig gebliebenen Verbraucher, die Beeren/Trauben, was dann zu großen, kompakten Beeren führt. Selbiges gilt auch für Stickstoff, eine Freisetzung durch öffnende Bodenbearbeitung sollte aktuell unterlassen werden. Die Zugabe weiterer unterstützender Blattdünger wie z.B. Bittersalz, EpsoTop oder Eisenchelaten ist hingegen derzeit gut möglich. Es gelten die in der Gebrauchsanleitung hinterlegten Einsatzmengen.
Sonstige Hinweise
Termine
Donnerstag, 11.06.26 um 18:00 Uhr
Rebbegehung WG Jechtingen-Amoltern
Treffpunkt Eichertkapelle Jechtingen
Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 25.
Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen