Allgemeiner Entwicklungsstand
Die Entwicklung schreitet weiterhin rasant voran, auch die kühleren Temperaturen tags und nachts ändern daran nicht viel. Wir befinden uns in den meisten Anlagen nach der Blüte, d. h. BBCH 69 (Blüte abgeschlossen). In den späteren Lagen und Sorten kann noch BBCH (abgehende Blüte) beobachtet werden, dies sind aber zunehmend wenig Rebstücke. Rechnet man ab Ende der Blüte die obligatorischen 100 Tage, so müssen/dürfen wir eine sehr frühe Ernte 2026 erwarten, sicherlich bereits ab August.
Die Wetterprognose meldet bis Anfang nächster Woche eher gemischtes und nasses Wetter mit Temperaturen bis 25°C. Danach soll es wieder trockener und freundlicher werden.
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Der Flug der ersten Generation des Traubenwicklers ist abgeschlossen und verlief ohne große Vorkommnisse. Die aktuellen Zahlen können unter http://monitoring.vitimeteo.de oder beim örtlichen Rebschutzwart abgefragt werden.
Pilzkrankheiten
Peronospora
Weiterhin ist eher weniger Grund zur Sorge wegen Peronospora. Die Niederschläge haben nicht überall ausgereicht um eine neue Infektion zu starten bzw. wurden von den bisherigen Pflanzenschutzmaßnahmen gut abgedeckt/abgefangen. Die Strategie mit Kontaktmitteln kann somit weitergeführt werden, es kommt z. B. Folpan 80 WDG (1,0 kg/ha), Delan WG (0,5 kg/ha) oder Delan SC (0,48 l/ha) plus eines phosphonathaltigen Mittels wie z. B. Foshield, Phosfik oder Veriphos (max. 2 l/ha) zum Einsatz. Alternativ kann auch das Kombipräparat Profiler (Mischreihenfolge beachten! 1,88 kg/ha) eingesetzt werden.
Der Einsatz eines Phosphonats macht nur in Anlagen Sinn in denen der Gipfeltermin noch etwas in der Zukunft liegt, in allen Anlagen mit sehr hohem Triebwachstum und anstehendem Gipfeln sollte darauf verzichtet werden, da danach die Vorteile des Phosphonats hinfällig sind.
Oidium
Deutlich präsenter in der Wahrnehmung und dadurch auch mehr im Fokus sollte die Oidiumbekämpfung liegen. Aktuell ist die höchste Stufe der Anfälligkeit erreicht und es gilt die abgeblühten Bestände konsequent zu schützen. Jetzt werden Erträge/Ernten gesichert! Zum Einsatz kommen die organischen Mittel neuester Generation wie z. B. Sercadis (0,15 l/ha), Luna Max (0,82 l/ha) oder Luna Experience (0,32 l/ha). Wer bereits diese SDHI´s eingesetzt hat, sollte auf Talendo, Dynali oder Belanty wechseln. Da die Mittel der Luna Gruppe und ProsperTec bzw. Spirox gleiche Wirkstoffgruppen haben, muss hier auf einen konsequenten Wirkstoffgruppenwechsel geachtet werden, d. h. es sind Mittel einer anderen Gruppe/Farbe zum Einsatz auszuwählen.
Es gelten folgende möglichen Reihenfolgen: Talendo – SDHI (Sercadis, Luna Max) – Talendo oder SDHI – Talendo – SDHI. Achten Sie bei nachfolgenden Behandlungen unbedingt auf einen Wirkstoffwechsel, um diese sehr guten Produkte in ihrer Wirkung zu erhalten. Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.
Weinbauliche Hinweise
Das Heften bestimmt die derzeitigen weinbaulichen Arbeiten, da gefühlt nach jedem fertigen Heftdurchgang erneut geheftet werden kann. Auch die sonstigen weinbaulichen Maßnahmen schreiben sich fort, dazu gehören die allgemeinen Pflegemaßnahmen wie mulchen/walzen, gerne alternierend d. h. nur jeder zweiten Gasse um Artenvielfalt und Biodiversität zu fördern bzw. zu erhalten.
Ein wichtiger weinbaulicher Baustein zur Fäulnisvermeidung ist das maschinelle Entblättern mittels Druckluft. Der Einsatzzeitraum ist zwischen Schrotkorn- und Erbsengröße, also in Kürze. Beobachten sie ihre Anlagen sehr genau, wenn sie diese Maßnahme planen, da es erfahrungsgemäß recht schnell geht nach Ende der Blüte und dadurch auch schnell der beste Zeitpunkt verpasst wird. Wichtig ist weiterhin die Geräte mit angepasstem Druck zu betreiben, d. h. eher im Bereich 0,6-0,8 bar Druck zu arbeiten als darüber. Auch alle anderen Verfahren der Entblätterung können nach der Blüte begonnen werden. Die Erfahrungen der Vorjahre zeigen, dass frühe Entblätterungen einen wesentlich besseren Schutz gegen möglichen späteren Sonnenbrand bieten als spätere Entblätterungstermine. Es gelten die bekannten Regeln, einseitig sonnenabgewandt moderat (max. 2-3 Blätter von der Treibbasis) bei Weißweinsorten und beidseitig moderat bei Rotweinsorten. Bitte am Anfang nicht übertreiben, Blätter haben nicht nur eine schmückende Funktion! Es kann im Zweifelsfall noch mehrmals in der Vegetation nachentblättert werden.
Die Jungfeldpflege ist ein wesentlicher Teil eines späteren homogenen Rebbestandes, hier ist vor allem das konsequente Hochbinden der windbruchgefährdeten Triebe zu nennen. Zudem haben junge Reben im hohen Gras erhebliche Startschwierigkeiten und sollten von dieser Konkurrenz befreit werden.
Es häufen sich die Meldungen von nicht absterbendem Weidelgras in den Reben. Beim Einsatz von Glyphosat kann 1 l/ha Fusilade zugesetzt werden, um eine Wirkung zu erzielen. Die Gräser bleiben im weiteren Verlauf stehen. Das typische Absterben und Umfallen bleiben jedoch aus. Durch die Zunahme solcher Gräser müssen zukünftige Behandlungsstrategien überdacht werden.
Sonstige Hinweise
Termine
Montag, 08.06.2026, 18:00 Uhr
Rebbegehung WG Sasbach, Treffpunkt Limberg
Donnerstag, 11.06.2026, 18:00 Uhr
Rebbegehung WG Jechtingen-Amoltern, Treffpunkt Eichertkapelle
Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 24.
Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen