Weinbauinfo Nr. 7

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Allgemeiner Entwicklungsstand

Hohe Temperaturen haben die Rebentwicklung rasant beschleunigt. Wir stehen unmittelbar vor der Rebblüte 2026 (BBCH 60), die sich vereinzelt bereits zeigt. Da die Wetterprognose weiterhin „blühfreundliches“ Wetter mit hohem Energieangebot in Form von Sonne zeigt, werden wir voraussichtlich eine schnelle, unkomplizierte Blüte erleben. Wer den Einsatz von Bioregulatoren zur Vollblüte plant, sollte seine Bestände intensiv beobachten, da es zwischen den Sorten und Lagen zu Verzögerungen im Blühverlauf kommen kann. Grund dafür ist das nicht immer homogene Wachstum innerhalb der Anlagen, sowie der zurückliegend vorherrschende austrocknende Wind. 

Die Wetterprognose meldet für die kommenden Tage weiterhin hochsommerliches Wetter mit Temperaturen um 30°C, ab dem Wochenende aber auch möglichen Gewitterstörungen.

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

Weiterhin sehr verhalten zeigt sich die Flugaktivität des Traubenwicklers. Bisher wurden im gesamten Beratungsgebiet kaum Wickler in den Kontrollfallen gefangen. Dazu sind die Pheromonverfahren, auch kleinräumig und/oder mit den neuartigen Dispenserformen sehr stabil und belegen die hohe Wirksamkeit dieses etablierten Verfahrens. Die aktuellen Fangzahlen können unter http://monitoring.vitimeteo.de abgerufen bzw. beim örtlichen Rebschutzwart nachfragt werden.

Pilzkrankheiten

Es gilt der alte Leitsatz: Wo kein Wasser, da keine Peronospora! Wir haben es somit mit einer recht einfachen Pflanzenschutzsituation zu tun, denn es gilt den Spritzbelag aufrechtzuerhalten und die nun startende Blüte abzusichern, d. h. die offenen Blütekäppchen mit einem ersten Wirkstoff zu versehen. Je nach bisherigen Spritzintervall und Entwicklung der Blüte kann es sein, dass die nächste reguläre Pflanzenschutzmaßnahme im Spritzabstand von ca. 10 Tage in die abgehende Blüte fällt und somit keine separate Überfahrt gemacht werden muss. Dazu sollte aber der Blühverlauf gut beobachtet werden. Liegt der Spritzabstand über 10 Tagen und BBCH 68 abgehende Blüte ist noch nicht erreicht, macht es Sinn eine Behandlung vorzulegen und im kurzen Abstand bei weitestgehend abgeschlossener Blüte nachzulegen. Obwohl die Situation recht einfach erscheint wird gebeten kein Risiko einzugehen. Dies gilt vor allem da zum Wochenende Gewitter erwartet werden, aber auch aufgrund des starken Wachstums.

Peronospora

Zum Einsatz kommt ein Kontaktmittel wie z. B. Folpan WDG (0,8 kg/ha), Folpan 500 SC (1,2 l/ha) oder Delan WG (0,4 kg/ha Aufbrauchsfrist beachten!) plus Phosponat wie z.B. Veriphos, Foshield, (jeweils 1,5 l/ha) oder Frutogard (2,0 l/ha). Alternativ kann auch eines der Kombipräparate Profiler (1,5 kg/ha – Mischreihenfolge beachten) oder Delan Pro (2,4 l/ha) eingesetzt werden. 

Oidium

Die sich anbahnende Blüte bei hohen, oidiumfreundlichen Temperaturen muss ernst genommen werden. Offene Blütekäppchen sowie der Neuzuwachs müssen gut geschützt werden. Da die Temperaturen am Wochenende hoch bleiben und sich immer mehr Blütenkäppchen öffnen, ist der Einsatz eines organischen Oidiummittels dringend angeraten. Es kommt z. B. Belanty (1 l/10.000 m² LWF), Dynali (0,4 l/ha) oder Talendo (0,2 l/ha) zum Einsatz. Der Spritzabstand sollte – analog zu Pero – 10 Tage nicht überschreiten. PIWI-Sorten sollten nun ebenfalls mitbehandelt werden, um die pflanzeneigenen Abwehrkräfte gegen Pero und Oidium zu unterstützen.

Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.

Weinbauliche Hinweise

Die regulären weinbaulichen Arbeiten wie Heften, Stämmchen putzen und mulchen halten das Arbeitspensum hoch. Stichwort: Es gibt immer was zu tun! Insgesamt sind die Bestände aber sehr schön und ordentlich gepflegt, so dass das Heft des Handelns in Winzers Hand liegt und nicht von der Vegetation vorgegeben wird. Vergessen sie in diesem Zusammenhang nicht, dass die Jungfeldpflege ein wesentlicher Teil eines späteren homogenen Rebbestandes ist, hier ist vor allem das konsequente Hochbinden der windbruchgefährdeten Triebe zu nennen, aber auch der umfängliche Pflanzenschutz. Zudem haben Junge Reben im hohen Gras erhebliche Startschwierigkeiten und sollten von dieser Konkurrenz befreit werden.

Vor der sich zeitnah abzeichnenden Rebblüte kommen die jährlichen fäulnisreduzierenden Maßnahmen in den Blick. Zur Anwendung stehen die Präparate GIBB 3, Berelex 40 SG und Florgib Tablets sowie alternativ Regalis Plus zur Verfügung. 

Bewährt hat sich GIBB 3 mit 10 – 12 Tabletten/ha bei 600-800 l/ ha Wasser (max. 12-16 Tabletten/ha), Berelex 40 SG (Sortenbeschränkungen beachten!) mit 50 g/ha bei 1000 l/ha Wasser (halbe Aufwandmenge bei Behandlung der Traubenzone) bzw. Florgib Tablets mit max. 16 Tabletten/ha, ausgebracht früh morgens oder abends für lange Antrocknung. Wichtig ist das Vorlösen im Wasser und eine gute Benetzung der Traubenzone (jede Gasse fahren).

Der Zusatz eines Haftmittels verbessert die Wirkung.

Regalis wird gleich wie GIBB 3/Berelex 40 SG eingesetzt, die Aufwandmengen variieren je nach Rebsorte zwischen 1,0 – 1,8 kg/ha (Gebrauchsanleitung beachten). Erfahrungsgemäß kann es beim Einsatz zu höheren Ertragsverlusten kommen, so dass reduzierte Aufwandmengen von ca. 1,0 -1,2 kg/ha je nach Rebsorte empfohlen werden. Es gelten Sortenbeschränkungen, bitte beachten!

Bei unvollständig aufgewachsener Laubwand kann es an den Triebspitzen zu Triebberostungen kommen. 

Das Anwendungsfenster aller Präparate ist Vollblüte (50 % blühende Gescheine), eine genaue Beobachtung der Bestände zur Festlegung des Termins ist unerlässlich. Es handelt sich um eine Einzelmaßnahme, d.h. es muss jede Gasse gefahren werden um den gewünschten Effekt zu erzielen. Einsatzpunkt ist die Traubenzone, eine flächige Behandlung möglicherweise auch zusammen mit der regulären Pflanzenschutzmaßnahme ist nicht ausreichend wirksam.

Empfohlen wird, vor allem die wichtigsten Anlagen (kompakte Sorten) zu behandeln. Für Sorten welche Bioregulatoren nicht so gut vertragen, kann der spätere Einsatz der maschinellen Druckluftentblätterung sinnvoller sein, bitte entsprechend abwägen und planen.

Sonstige Hinweise

Mittwoch, 27.05.2026 18:00 Uhr
Rebbegehung BWK Bereich Breisgau
Treffpunkt: Hummelberghütte Kenzingen.
Es ist jeder herzlich willkommen!

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 23.

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen