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Weinbauinfo Nr. 5/2023

Allgemeiner Entwicklungsstand

Das „Gewächshauswetter“ der vergangenen Tage hat die Rebenentwicklung schnell vorangebracht. Aktuell wird das Wachstum durch die durch den Regen zurückgegangenen Temperaturen wieder etwas gebremst. Wir finden derzeit meist BBCH 53 Gescheine sichtbar und 5-6 Blätter. Der Regen brachte im Mai bisher zwischen ca. 20 mm (Station Herbolzheim) und ca. 50 mm (Station Königschaffhausen) Niederschlag und sorgte durch die Häufigkeit und Länge für eine fast durchgängig schlechte Befahrbarkeit. Viele Äcker und Wiesen stehen unter Wasser, ein selten gewordenes Bild, auch im Hinblick auf anderslautende Meldungen aus dem Ausland. 
Die Niederschläge können einerseits noch sehr wertvoll sein, andererseits wird aber der Pilzdruck hochgehalten, da sich in der kommenden Woche kaum Änderung abzeichnet.
Lediglich die Temperaturen sollen leicht ansteigen und die 20° C Marke erreichen, aber gleichzeitig ist mit weiterhin unbeständigem, regnerischem Wetter zu rechnen.
Es muss also wahrscheinlich diese Woche und voraussichtlich auch nächste Woche ein Spritzfenster gesucht und genutzt werden.

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

Der Flug der ersten Generation des Traubenwicklers läuft und die Rebschutzwarte werden gebeten, die Fangzahlen an die Weinbauberatung zu melden.
Die aktuellen Fangzahlen können unter https://monitoring.vitimeteo.de eingesehen werden.

Pilzkrankheiten

Die Niederschläge seit dem Wochenende haben den Infektionsdruck der Peronospora stark erhöht. Gefühlt dauerhafter Regen und lange Nässeperioden haben die Primärinfektion ausgelöst. Dazu kommt ungeschützter Neuzuwachs und schwierige Bedingungen durch schlechte bzw. eingeschränkte Befahrbarkeit und Regenunterbrechungen. 
Wer die erste Pflanzenschutzmaßnahme noch nicht durchgeführt hat, sollte diese Woche dringend eine Regenpause bzw. ein Spritzfenster nutzen und einen Belag ausbringen um die Inkubationszeit der Primärinfektion abzufangen.
Zum Einsatz kommt ein Kontaktfungizid wie z. B. Delan Pro (1,8 l/ha – Phosphonat bereits enthalten), Delan WG (0,3 kg/ha) oder Folpan 80 WDG (0,6 kg/ha) oder wenn die stark einschränkenden Anwendungsbestimmungen berücksichtigt werden können Polyram WG (1,2 kg/ha). Der Zusatz eines phosphonathaltigen Mittel wie z. B. Veriphos (1,0 l/ha) oder Frutogard (1,5 l/ha) zur Wirkungsabsicherung und dem Schutz des Neuzuwachses ist empfehlenswert.
Alternativ kann ein kuratives Mittel wie z. B. VinoStar, Forum Gold oder Orvego in der zugelassenen Aufwandmenge eingesetzt werden.

Oidium

Gegen Oidium kommt Netzschwefel (3,6 – 6,0 kg/ha je nach Produkt) zum Einsatz. 
Der Mittelaufwand errechnet sich aus dem Basisaufwand x 1,5; die Wasseraufwandmenge beträgt 600 l/ha.
Beachten Sie die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und der persönlichen Schutzausrüstung der jeweiligen Mittel.

Weinbauliche Hinweise

Hoch aufgelaufene Begrünungen sollten zum Erhalt der Artenvielfalt besser gewalzt als gemulcht werden. Wenn gemulcht werden soll/muss, dann möglichst hoch um den Vegetationspunkt der Pflanzen zu erhalten.

Das Stämmchen putzen (Stocktriebe entfernen) als eine der zentralen Maßnahmen zur Minimierung von Bodeninfektionen durch die Peronospora sollte nun rasch und konsequent durchgeführt werden.
Es stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: händisch, mittels mechanischer Verfahren oder chemisch.
Beim Einsatz chemischer Mittel (Shark, Quickdown, Beloukha) bitte die Sorten- und Anwendungsbestimmungen bzw. Einschränkungen beachten!
Die momentane Trieblänge von ca. 10 – 15 cm ist optimal für den Einsatz der Mittel.

Auch Ausbrecharbeiten (Kopf putzen, Doppel- und Kümmertriebe entfernen) können begonnen werden und stellen eine wesentliche Maßnahme der qualitätsorientierten Produktion dar.
Frostruten können ebenfalls entfernt werden, da die Eisheiligen dieses Jahr ausfallen und kein Spätfrost mehr zu erwarten ist.

Sonstige Hinweise

Denken Sie an die fristgerechte Abgabe des gemeinsamen Antrags zum 15.05.2023 (Ausschlussfrist)

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 20.

Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

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