Weinbauinfo Nr. 3
Allgemeiner Entwicklungsstand
Zurückliegend war wetterbedingt nicht das ganz große Wachstum zu beobachten, man sieht aber deutlich wie „sonnenhungrig“ und wärmeliebend unsere Reben sind, denn nach jedem warmen, sonnigen Tag lässt sich ein Wachstumsschub beobachten. Derzeit liegen wir durchgängig zwischen BBCH 09 und 11 (Grüne Triebspitze sichtbar – erstes Blatt entfaltet), wobei BBCH 11 nun dominiert. Auch BBCH 13 ist bei frühen Lagen und Sorten schon zu beobachten. Durch den frühen Austrieb bleibt lange die Gefahr von Frostschäden bestehen, zum Glück sind aber aktuell keine Frostereignisse prognostiziert, es soll in den nächsten Tagen eher wieder wärmer und sonniger werden mit Temperaturen um 20°C zum Wochenende. Anfang nächster Woche soll es dann wieder etwas kühler und bedeckter werden, was das Wachstum ggf. nochmals etwas verlangsamt.
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Die Temperatursumme zur Flugbereitschaft des Traubenwicklers wurde erreicht, und so ist mit Zunahme der Blattfläche als Eiablageort mit dem Flug der ersten Generation des Traubenwicklers zu rechnen. Die Ausbringung der Dispenser in den Pheromongebieten ist abgeschlossen. Die Rebschutzwarte werden gebeten, ab jetzt wieder im bekannten wöchentlichen Schema die Fallen zu kontrollieren und die Fangzahlen zu melden. Unter www.monitoring.vitimeteo.de sind die Fangzahlen abrufbar.
Austriebsschädlinge
Fraßschäden durch Rhombenspanner und/oder Erdraupen wurden fast nicht gemeldet, was etwas verwundert, denn die Bedingungen waren sehr gut durch das lange Verharren der Knospen bis zum Ausbruch. Wie es sich mit Schäden durch Schwarzwild entwickelt, werden die kommenden Wochen zeigen, wenn mehr Blattmasse und besserer „Sichtschutz“ beim Fraß besteht. Wie in solchen Fällen zu verfahren ist, kann in Weinbauinfo Nr. 2 nachgelesen werden. Auch aktive Vergrämungsmaßnahmen sind eine gute Option in bekannten Flächen.
Pilzkrankheiten
Mit Erreichen des 3-6-Blatt-Stadiums starten die regulären Pflanzenschutzmaßnahmen gegen Peronospora und Oidium. In Anlagen mit Vorjahrsbefall von Oidium sollte zur Bekämpfung der Wintersporen eher früher zum 3-Blatt-Stadium mit der Behandlung (Netzschwefel 3,6 - 6,0 kg/ha je nach Produkt) begonnen werden. Bis zum Erreichen dieses Stadiums wird es unter Berücksichtigung der aktuellen Wetterprognose aber sicher noch etwas dauern.
Weiterhin kann (bis 3-Blatt-Stadium) vor Niederschlagsereignissen in symptomatischen Anlagen (schwarze, schiffchenförmige Aufreissungen, weiße Triebbasis) mit einem Peronosporafungizid mit Nebenwirkung Phomposis wie z. B. Folpan WG 0,6 kg/ha oder Delan WG (ACHTUNG: Aufbrauchfrist!) mit 0,3 kg/ha eine Behandlung umgesetzt werden. Vorher sollte allerdings die wirtschaftliche Schadensrelevanz geprüft werden. Spätestens mit dem Start der Bekämpfung gegen Peronospora wird Phomposis mitbehandelt, da viele der eingesetzten Mittel eine gute Wirkung besitzen.
Alle Informationen zu den Pflanzenschutzmitteln, Zulassungen, Neuerscheinungen, Anwenderschutz etc. können detailliert in der Sonderbeilage „Rebschutz 2026“ des Badischen Winzers nachgelesen werden.
Weinbauliche Hinweise
Düngung
Für die N-Düngung sind meist Gaben von 30-50 kg Reinnährstoff/ha ausreichend. Bei Gaben von höchstens 50 kg/ha N wird man von weiteren Aufzeichnungen/Dokumentationen entbunden. Dies gilt auch in den Nitrat- bzw. roten Gebieten. Zudem ist diese Gabe meist völlig ausreichend unter den heutigen Produktionsbedingungen.
Grundlage jeder Düngemaßnahme ist eine Bodenanalyse, welche im Fünfjahresturnus empfohlen wird. Derzeit laufen schon die geplanten Düngemaßnahmen der Stickstoffdüngung in Form von Kalkstickstoff sowie dem Ausbringen der organischen Düngerformen. Für alle anderen Stickstoffformen liegt der beste Termin zwischen 2-5-Blatt-Stadium. Es gelten die Anforderungen der neuen Düngeverordnung. Auch der Aufbau bzw. die Etablierung einer stabilen Begrünung hilft beim Düngemanagement, so dass bei günstigen Bodenverhältnissen über diese Maßnahme nachgedacht werden kann/sollte.
Sonstige Hinweise
Vom 20.04. bis zum 01.05.2026 bin ich im Urlaub.
Vertretung haben die Kollegen Johannes Werner unter 0175 2623256 und Egon Zuberer unter 0162 2550675.
Die nächste Weinbauinfo folgt in KW 19/20.
Gez. Renz
Weinbauberatung Landkreis Emmendingen